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Bakterielle Immunität entschlüsseln: ERC Consolidator Grant für Ana Brochado

09.12.2025 CMFI News

 

Bakterielle Krankheitserreger mit ihren eigenen Waffen schlagen

Die Zunahme von Antibiotikaresistenzen erfordert neue Strategien zur Bekämpfung bakterieller Infektionen. In ihrem Projekt „BacImmuneDecode – Decoding bacterial immunity to enhance antimicrobial action“ – Entschlüsselung der bakteriellen Immunität zur Verstärkung der Antibiotikawirkung – möchte Ana Rita Brochado die Regulation und Funktion von bakteriellen Immunabwehrsysteme erforschen, um den Weg für neuartige Ansätze zur Bekämpfung bakterieller Infektionen zu ebnen. Ihr Vorhaben zum Consolidator Grant wird vom Europäischen Forschungsrat (ERC) mit insgesamt zwei Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren gefördert.

Das Team von Ana Rita Brochado hat kürzlich mithilfe eines automatisierten Hochdurchsatzverfahrens hundert Substanzen getestet und eine überraschende Entdeckung gemacht: Antifolat-Antibiotika aktivieren das bakterielle Abwehrsystem CBASS im Cholera-Erreger Vibrio cholerae. Durch CBASS wird normalerweise die Selbstzerstörung der Bakterien eingeleitet, die durch Bakterienviren, die sogenannten Bakteriophagen, infiziert wurden, um die restliche Bakterienpopulation zu schützen. Das Team entdeckte, dass das Bakterium durch Behandlung mit Antifolat-Antibiotika und in Abwesenheit von Phagen durch seine eigene Immunantwort geschädigt wird – ähnlich wie bei einer Autoimmunerkrankung. Dies war eine bisher unbekannte Wirkweise von Antifolaten, die nun dazu genutzt werden könnte, um Antibiotika effektiver einzusetzen und weitere Resistenzen zu verhindern.

(Zur Publikation: https://www.nature.com/articles/s41564-023-01556-y oder zur

Zusammenfassung im 60-Sekunden Video: https://youtu.be/q3EErS28oMs)

Jüngst wurden mehr als hundert weitere Phagenabwehrsysteme bei Bakterien identifiziert. Einige von ihnen, ähnlich wie CBASS aus V. cholerae, schützen Bakterien vor Phagen, indem sie für die Bakterien schädlich sind. Solche Abwehrsysteme sind in erster Linie auf mobilen genetischen Elementen kodiert und kommen in Bakterien häufig vor. Doch sind wichtige Aspekte ihrer Regulation bisher unklar.

„In einem groß angelegten Screening werden wir hunderte von bioaktiven Molekülen untersuchen, die das Potenzial haben, die Aktivität unterschiedlicher Phagenabwehrsysteme zu regulieren. Wir werden genetische und umweltbedingte Auslöser des bakteriellen Immunsystems von E. coli experimentell kartieren. Langfristig könnte man diese Auslöser mit Phagen kombinieren, um neue therapeutische Ansätze gegen bakterielle Infektionen zu entwickeln.“, sagt Ana Rita Brochado.

 

Fünf ERC Consolidator Grants gehen nach Tübingen

2025 gehen insgesamt fünf ERC Consolidator Grant nach Tübingen. An der Universität und dem Universitätsklinikum Tübingen haben zwei Wissenschaftlerinnen und drei Wissenschaftler in der aktuellen Vergaberunde Consolidator Grants des Europäischen Forschungsrats (ERC) eingeworben. Diese Auszeichnungen sind mit einer hochdotierten Projektförderung verbunden. In dieser Runde bewilligte der ERC EU-weit 349 der 3.121 eingereichten Bewerbungen auf Consolidator Grants, die Erfolgsquote lag bei rund elf Prozent.

„Dass sich gleich fünf Tübinger Bewerbungen in der europaweit harten Konkurrenz um die Consolidator Grants durchgesetzt haben, ist ein beachtlicher Erfolg. Die herausragenden Forscherinnen und Forscher beweisen großen Ideenreichtum, der das Potenzial für echte Innovationen im medizinischen Bereich oder auch im maschinellen Lernen in sich trägt“, sagt die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Dr. Dr. h.c. (Dōshisha) Karla Pollmann.

Die Tübinger ERC Consolidator Grants:

  • Professor Jan Böttcher, Institut für Immunologie und M3 Forschungszentrum

Projekt: „EICO-CODE“ zur Untersuchung, wie chemische Signale des Körpers das Immunsystem beeinflussen können zur Stärkung der körpereigenen Abwehr gegen Infektionen und Krebs

  • Juniorprofessorin Ana Brochado, Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin

Projekt: „BacImmune-Decode“ zur Erforschung des bakteriellen Immunsystems, um krankheitserregende Bakterien besser bekämpfen zu können

  • Professor Andreas Geiger, Fachbereich Informatik

Projekt: „CASIDO“ zur Beschleunigung des wissenschaftlichen Fortschritts durch künstliche Intelligenz

  • Professor Tobias Hauser, Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie

Projekt: „CiBbI-OCD” zum besseren Verständnis und Behandlung von Zwangsstörungen

  • Dr. Madhuri Salker, Department für Frauengesundheit, Universitäts-Frauenklinik

Projekt: „babyRADAR“ zur Entschlüsselung der Grundlagen der Reproduktionsmedizin

Consolidator Grants werden an erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fächer vergeben, sieben bis zwölf Jahre nach Abschluss der Promotion. Die damit verbundene Projektförderung beträgt in der Regel insgesamt bis zu zwei Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Detailinformationen zu allen fünf geförderten Projekten gibt die Pressemitteilung der Universität Tübingen:

Zur Pressemitteilung

 

(Quelle: Pressemitteilung Universität Tübingen, 9.12.2025)

 

Wissenschaftlicher Kontakt

Prof. Dr. Ana Rita Brochado

Universität Tübingen

Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin (IMIT)

Exzellenzcluster „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen” (CMFI)

ana.brochado@uni-tuebingen.de

Webseite

Pressekontakt

Leon Kokkoliadis
Medien- und Öffentlichkeitsarbeit

Universität Tübingen

Interfakultäres Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin

Exzellenzcluster „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen” (CMFI)

Tel: +49 7071 29-74707 / +49 152 346 79 269

E-Mail: leon.kokkoliadis@uni-tuebingen.de

 

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