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Mikrobiologie am Meer: Unser Praktikum am CNRS in Marseille

Drei Studierende des Master-Studiengangs Microbiology and Infection Biology über ihr Praktikum im schönen Marseille.

15.06.2026 CMFI News

Ein Bericht von Cornelia Brückner, Philipp Lupo und Leon Rösch

Wir, das sind Cornelia, Leon und Philipp, studieren derzeit im Masterstudiengang Microbiology and Infection Biology an der Universität Tübingen. Im Rahmen des dritten Semesters bot sich uns die Gelegenheit, eines der im Studium vorgesehenen Research Module am Centre national de la recherche scientifique (CNRS) in Marseille, Frankreich, zu absolvieren. Zwei Monate lang (Oktober und November 2025) haben wir in der ältesten und zweitgrößten Stadt Frankreichs gelebt, gearbeitet und dabei viele neue Eindrücke gesammelt.

Nachdem wir die Zusage für Marseille erhalten hatten, bestand der nächste Schritt darin, die Finanzierung zu organisieren, weshalb wir uns für ein Erasmus+-Stipendium des KOOR Erasmus Services BW bewarben. Für die Fahrt von Tübingen nach Marseille entschieden wir uns, die etwa 900 km gemeinsam mit dem Auto zurückzulegen. Für eine entspanntere Reise planten wir mehr Zeit und 2 Zwischenstopps ein.

Am Tag unserer Ankunft fuhren wir direkt zum CNRS, wo wir sehr herzlich von unseren Betreuer:innen empfangen wurden. Nach einer ersten Führung durch die Labore wurden wir dem Team der Arbeitsgruppe Bioénergétique et Ingénierie des Protéines (BIP01) vorgestellt, die von Marianne Ilbert und Olivier Genest geleitet wird. Obwohl wir Teil derselben Arbeitsgruppe waren, arbeitete jede:r von uns in einem anderen Labor und hatte dort einen eigenen Arbeitsplatz. Nachdem wir uns einen ersten Eindruck vom Institut verschafft hatten, ging es weiter zum nächsten wichtigen Punkt – unserer Unterkunft. Wir hatten im Vorfeld eine Wohnung in Gehweite zum CNRS und mit Meerblick gebucht. Zwar war die Miete etwas höher, doch da wir uns die Kosten zu dritt teilen konnten und das Erasmus+ Stipendium einen Großteil abdeckte, blieb sie für uns insgesamt erschwinglich.

Innerhalb der Arbeitsgruppe, die sich mit der Anpassungsfähigkeit von Bakterien an Umweltbedingungen beschäftigt und die zugrunde liegenden Mechanismen erforscht, fühlten wir uns von Anfang an wohl. Jede:r arbeitete eigenständig an einem Projekt.

 

 

Cornelia untersuchte die antibakterielle Wirkung verschiedener Kupferkomplexe auf Escherichia coli. Hierfür kamen Spot-Dilution-Assays zum Einsatz, um die Lebensfähigkeit der Bakterien in Gegenwart dieser Verbindungen zu bestimmen. Mithilfe enzymatischer Reportersysteme (β-Galactosidase-Assay) analysierte sie außerdem potenzielle Veränderungen der Eisenhomöostase, da einige Liganden der Kupferkomplexe Eisen binden können und dadurch möglicherweise zu ihrer toxischen Wirkung beitragen. Darüber hinaus untersuchte Cornelia anhand von Aktivitätsmessungen der alkalischen Phosphatase, ob die Kupferkomplexe oxidativen Stress in den Zellen auslösen. Ziel dabei war es, den Wirkmechanismus dieser Verbindungen besser zu verstehen und ihre Eignung als potenzielle antimikrobielle Wirkstoffe zu bewerten.

Leons Projekt befasste sich mit dem zu yqiT homologen Gen SO2638 in Shewanella oneidensis. Sein Betreuer hatte zuvor herausgefunden, dass Homologe des Bacillus Gens, welches maßgeblich an der Reifung von Biofilm beteiligt ist, in einer Vielzahl von Bakterien auftreten. In der kurzen Zeit des Praktikums gelang es ihm unter anderem, das Gen in S. oneidensis zu deletieren und Experimente zur Bildung und Reifung des Biofilms durchzuführen.

Fokus von Philipps Arbeit war das Chaperon Hsp90, das von Bakterien (dort unter dem Namen HtpG) bis hin zu Menschen konserviert ist. Er verglich die relative Abundanz 6 potenzieller Interaktionspartner in S. oneidensis zwischen einem wildtypischen Stamm und einem htpG-Deletionsstamm. Dazu wurden die Gene der potenziellen Interaktionspartner in einen induzierbaren Vektor kloniert, per Konjugation in S. oneidensis übertragen, dort exprimiert und die Proteine per Western Blot nachgewiesen. Zudem wurde untersucht, ob der Verlust von HtpG, welches das DNA-Reparaturenzym MutS vor Abbau schützt, zu einem sichtbaren Phänotyp führt.

Dabei nahmen sich unsere Betreuer:innen stets Zeit, das weitere Vorgehen mit uns zu besprechen, und bezogen uns aktiv in die Planung der Projekte ein. Bei Fragen konnten wir uns jederzeit an alle wenden. Da keiner von uns über nennenswerte Französischkenntnisse verfügte, rechneten wir zunächst mit einer gewissen Sprachbarriere; die Kommunikation auf Englisch funktionierte jedoch problemlos. Insgesamt war die Arbeitsatmosphäre sehr herzlich und wir wurden gut in das Team integriert. Ein kleines Highlight im Arbeitsalltag war auch das Essen in der Kantine mit einer großen Auswahl an Gerichten sowie Vor- und Nachspeisen, wobei wir das Crème brûlée zu unserem Favoriten auserkoren haben. Da die Monate Oktober und November in Marseille noch angenehm warm und sonnig sind, verbrachten wir unsere Mittagspausen meist gemeinsam mit den anderen draußen.

Der im Vergleich zu Deutschland verlängerte Sommer lud außerdem dazu ein, viel Zeit im Freien zu verbringen und die Umgebung zu erkunden. An den Wochenenden unternahmen wir daher zahlreiche Ausflüge, beispielsweise nach Montpellier, Cassis oder Aix-en-Provence, oder gingen wandern – etwa im Parc national des Calanques oder im Massif de la Sainte-Baume. Freie Abende verbrachten wir gerne im lebendigen Street-Art-Viertel Cours Julien mit seinen vielen Bars und kleinen Restaurants oder spazierten entlang des alten Hafens.

Insgesamt blicken wir auf eine sehr schöne und bereichernde Zeit zurück, in der wir nicht nur fachlich viel gelernt, sondern auch viel erlebt haben und wertvolle Auslandserfahrung sammeln konnten. Ein perfekter Mix aus Mikrobiologie, Sonnenschein und lustigen Filmabenden mit viel zu vielen Keksen.

Pressekontakt

Leon Kokkoliadis

Universität Tübingen

Medien- und Öffentlichkeitsarbeit

Exzellenzcluster „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen” (CMFI)

Tel: +49 7071 29-74707

E-Mail: leon.kokkoliadis@uni-tuebingen.de

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